DFB-Pokal
Drittligisten im Pokalviertelfinale: Acht kamen durch

Mit Arminia Bielefeld steht heute (ab 20.45 Uhr, live im ZDF und bei Sky) ein Drittligist im Viertelfinale um den DFB-Pokal. Die Ostwestfalen treffen auf Werder Bremen und möchten die neunte Mannschaft werden, die als Drittligist ein Halbfinale erreicht - so wie ihre Vorgänger 2015 aus dem eigenen Verein. Versucht haben es bisher 28 Mannschaften. DFB.de mit dem historischen Überblick.
Es begann mit der großen Pokalreform zur Saison 1974/75, die 128 Startplätze mit sich brachte. Die Amateure des VfB Stuttgart schlugen sich besser als die eigenen Profis und empfingen im Viertelfinale den damaligen Zweitligisten Borussia Dortmund. Trotz Heimvorteils und torloser erster Halbzeit stand am Ende ein deutliches 0:4 und die höchste Niederlage eines Drittligisten im Viertelfinale, bis die Bayern 2018 nach Paderborn kamen und 6:0 gewannen.
1979 hatte Favoritenschreck Südwest Ludwigshafen, der im Herbst Bundesligatabellenführer 1. FC Kaiserslautern rausgeschmissen hatte und dessen Matchwinner wegen seines Torjubels berühmt wurde ("Salto-Kiefer"), Lospech. Er musste zu Bundesligist 1. FC Nürnberg (0:2), denn die heutige Regelung mit automatischem Heimrecht für Amateure (unterhalb der 2. Liga) wurde erst 1990 eingeführt. Der SC Göttingen 05 hatte 1982 trotzdem ein Heimspiel gegen den kommenden Meister HSV und führte nach der Pause sogar mit 2:1, am Ende setzte sich das Starensemble von Ernst Happel durch (2:4). Am selben Tag zwang der SSV Ulm den VfL Bochum in dessen Stadion in eine Verlängerung (1:3).
Offenbach und Hertha II überraschen
Es wurde immer enger für die Favoriten, 1984 zitterten sich die Bayern zu einem 2:1 in Bocholt. Aber erst nach dem Mauerfall und im achten Versuch gab es den ersten Sieg eines Drittligisten. Kickers Offenbach schaffte dabei das Kunststück, bei Zweitligist MSV Duisburg zu gewinnen, der historische erste Matchwinner hieß Ralf Haub, der das einzige Tor im Wedau-Stadion erzielte.
1993 gab es den bis dahin größten Coup als die sogenannten Hertha-Bubis, in der Regionalliga Nordost zuhause, als erster drittklassiger Klub einen Bundesligisten eliminierten. Dirk Lehmann traf in letzter Minute zum 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg. Entsetzt sahen sich die Club-Profis um Andy Köpke, Hans Dorfner und Dieter Eckstein an und Letzterer stellte fest: "Schlimm daran ist, dass Hertha verdient weiter gekommen ist." Sie kamen sogar bis ins Endspiel – bis heute eifern ihnen die eigenen Profis vergeblich nach.
Von 1996 bis 1999 wurden Drittligisten im Viertelfinale Normalität. 1996 und 1998 waren sie sogar jeweils zu zweit, was im letzteren Fall zum bisher einzigen direkten Duell führte. Das gewann Favoritenschreck Eintracht Trier, die damals mit Borussia Dortmund und Schalke 04 gleich zwei amtierende Europacupsieger rauswarf, natürlich auch (1:0 gegen Waldhof Mannheim).
Bremen landet hart auf gefrorenem Boden
Weiter kam auch Energie Cottbus, das 1997 als zweiter Drittligist einen Bundesligisten rauswarf (St. Pauli) und erst im Finale gestoppt werden konnte. Vier Jahre später machte es ihnen Union Berlin nach, auf dem Weg ins Finale blieb auch der Bundesligist VfL Bochum auf der Strecke (1:0).
Den vierten Streich vollführte der 2006 tief gesunkene FC St. Pauli gegen das Bundesligaspitzenteam Werder Bremen (3:1) auf hartgefrorenem Boden. Die Bremer erwiesen sich als schlechte Verlierer und legten (vergebens) Protest gegen die Spielwertung ein. Wütend empfahl Manager Klaus Allofs den Gastgebern die Anschaffung einer Rasenheizung, auch weil sich Nationalstürmer Miroslav Klose verletzt hatte.
St. Pauli indes hatte neue Helden. Die Torschützen Michel Dinzey, Fabian Boll und Timo Schultz und Torwart Achim Hollerieth, der beim Stand von 3:1 einen Elfmeter von Tim Borowski hielt. Den Spruch des Tages lieferte Schultz schon vor dem Spiel: "Bei Werder kämpfen alle um die WM-Teilnahme, wir nur um die Eintrittskarten. Aber heute haben alle nur zwei Beine." Auch im Pokal, trotz seiner an diesem Tage wieder mal geltenden eigenen Gesetze.
Bielefeld macht es sich selbst vor
Danach gab es noch zwei Sensationen, jeweils zum Nachteil von Borussia Mönchengladbach. 2015 musste der Bundesligist dorthin, wo am Dienstag Werder Bremen erneut sein Glück versucht: auf die Bielefelder Alm. Eben dort hatte der Drittligist schon besagte Bremer und Hertha BSC eliminiert und nun waren die Borussen dran. Nach 120 Minuten und einem 1:1-Spielstand ging es ins Elfmeterschießen, in dem Arminen-Keeper Alexander Schwolow mit seiner Parade gegen Ibrahima Traoré zum Helden des Tages wurde. Auf der Arminen-Bank saß mit Norbert Meier ein früher Borussen-Spieler und –trainer.
In frischer Erinnerung ist noch der Husarenritt des 1. FC Saarbrücken ins Halbfinale 2024, was ihm 2020 schon mal als Viertligist gelang. Vor einem Jahr warf er nach Bayern München und Eintracht Frankfurt vor eigenem Publikum auch die Borussen raus. Das Spiel wurde wegen starker Regenfälle übrigens zunächst kurzfristig abgesagt, trotz bereits voller Ränge. Die Neuansetzung vier Wochen später entschied der FCS dann auf kaum besseren Geläuf und bei Dauerregen in bewährter Manier durch einen Last-Minute-Treffer von Kai Brünker zum 2:1. Der Held des Tages kommentierte das so: „Ich wusste, dass ich mich noch mal richtig konzentrieren muss. Ein Elektriker kann auch nicht irgendwann hinschmeißen und heimgehen. Es ist mein Job. Hammergeiles Spiel. Für jeden Fußball-Romantiker ein Highlight.“
Drittligisten im Viertelfinale
1974/1975
VfB Stuttgart Amateure – Borussia Dortmund 0:4
1978/1979
1. FC Nürnberg – Südwest Ludwigshafen 2:0
1981/1982
SC Göttingen – Hamburger SV 2:4
VfL Bochum – SSV Ulm 3:1 n.V.
1983/1984
1. FC Bocholt – Bayern München 1:2
1985/1986
SV Sandhausen – Borussia Dortmund 1:3
1987/1988
Viktoria Aschaffenburg – Werder Bremen 1:3
1989/1990
Kickers Offenbach – MSV Duisburg 2:2 n.V.,
Wiederholungsspiel
MSV Duisburg – Kickers Offenbach 0:1
1990/1991
Hessen Kassel – Werder Bremen 0:2
1992/1993
Hertha BSC Amateure – 1. FC Nürnberg 2:1
1994/1995
Bayern München Amateure – VfL Wolfsburg 1:2
1995/1996
Altmark Stendal – Bayer Leverkusen 0:0 n.V., 4:5 n. Elfmeterschießen
FC Homburg – 1. FC Kaiserslautern 3:4 n.V.
1996/1997
Energie Cottbus – FC St. Pauli 0:0 n.V., 5:4 im Elfmeterschießen
1997/1998
Eintracht Trier – Waldhof Mannheim 1:0
1998/1999
Sportfreunde Siegen – VfL Wolfsburg 1:3
2000/2001
Union Berlin – VfL Bochum 1:0
2002/2003
SpVgg. Unterhaching – Bayer Leverkusen 2:2 n.V., 4:5 im Elfmeterschießen
2003/2004
TSG Hoffenheim – VfB Lübeck 0:1
2004/2005
Bayern München Amateure – Werder Bremen 0:3
2005/2006
FC St. Pauli – Werder Bremen 3:1
2009/2010
VfL Osnabrück – Schalke 04 0:1
2012/2013
Kickers Offenbach – VfL Wolfsburg 1:2
2014/2015
Arminia Bielefeld – Borussia Mönchengladbach 1:1 n.V., 5:4 im Elfmeterschießen
2016/2017
Sportfreunde Lotte – Borussia Dortmund 0:3
2017/2018
SC Paderborn – Bayern München 0:6
2023/2024
1. FC Saarbrücken – Borussia Mönchengladbach 2:1
125 Jahre DFB - 125 Jahre Fußballliebe
In Leipzig, genauer gesagt im "Restaurant zum Mariengarten", wurde am 28. Januar 1900 der Deutsche Fußball-Bund gegründet. Seinerzeit gehörten dem Verband überschaubare 90 Vereine an, aber das änderte sich rasch. Heute gibt es mehr als 24.000 Klubs mit mehr als 7,7 Millionen Mitgliedern. Dazwischen hat der DFB eine bewegte und bewegende Geschichte hingelegt, mit vielen Titeln, Tränen und Triumphen. 125 Jahre DFB bedeuten auch 125 Jahre Fußballliebe - für uns Anlass genug, auf dfb.de/fussballliebe zu sagen: "Ti amo, Fußball!" Auf dieser DFB.de-Subsite wollen wir auch mit den Fans und Fußballinteressierten in den Austausch kommen. Hier sammeln wir eure Themen - und machen sie zu unseren Themen.
Kategorien: DFB-Pokal
Autor: um

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