DER DFB

125 Jahre später: Die erfolgreichsten Gründerspieler

01.04.2025
79 Einsätze für Deutschland: Arne Friedrich ist der Rekordspieler der Gründervereine des DFB Foto: Getty Images

Am 24. Januar 2025 beging der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit einer feierlichen Gala an seinem Gründungsort Leipzig seinen 125. Geburtstag. In vielen Beiträgen und Reden wurde an die großen Erfolge des deutschen Fußballs und an dessen Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt erinnert. Die Gäste sahen bewegende Bilder der Sternstunden bei Welt- und Europameisterschaften. Viele der noch lebenden Titelträger wohnten der Veranstaltung bei. So wurde die Verbindung von Tradition und Zukunft des deutschen Fußballs allen Beteiligten deutlich vor Augen geführt. In einer zehnteiligen Serie erinnert DFB.de an die Gründervereine des DFB. Heute im fünften Teil: die erfolgreichsten Nationalspieler.

Aus 28 der 86 Gründervereine von 1900 gingen A-Nationalspieler hervor. Der Hamburger SV brachte die meisten hervor (50), gefolgt vom Nordrivalen Werder Bremen (42) und Eintracht Frankfurt (33). Nach Einsätzen führen die Bremer (590).

Fünf Spieler in allererster DFB-Elf

In der allersten Elf vom 5. April 1908 in Basel standen fünf Spieler aus Gründerklubs, von denen es Fritz Förderer vom Karlsruher FV mit elf Einsätzen am weitesten brachte. Werte, die Stammspieler der Nationalmannschaft heute in einer ganz anderen Fußballzeit in einem Jahr schaffen, teils übertreffen können. Aber in der Pionierzeit war es ungleich schwieriger, "nach Leistung" aufzustellen, weil niemand einen Gesamtüberblick hatte. Es gab keine Bundesliga und es gab keine elektronischen Medien. Es gab auch keinen Bundestrainer, erst 1926 wurde Dr. Otto Nerz als Pionier seiner Spezies berufen.

Da es bis 1930 auch keine WM und erst ab 1960 eine EM gab, ist es ein Stück weit unfair, die Spieler aller Zeiten miteinander zu vergleichen. Fritz Förderer oder Adolf Jäger von Altona 93, der 1924 mit 18 Einsätzen binnen 16 Jahren als Rekordnationalspieler abtrat, bestritten fast ausnahmslos Testspiele.

Deren Stellenwert stieg zwar mit der Popularität des Fußballs nach dem ersten Weltkrieg, doch Ruhm, Ehre und, vor allem, Trophäen waren nur bei den großen Turnieren zu gewinnen. Als Deutschland endlich an diesen ab 1934 teilnahm, existierten die meisten Gründervereine schon gar nicht mehr, teils gingen sie in anderen auf – wie in den vorherigen Serienteilen bereits geschildert.

So käme auch der erste DFB-Torschütze von anno 1908, Fritz Becker von Kickers Frankfurt, in die Wertung. Weil aus seinem Verein auf verschlungenen Pfaden eines Tages die Eintracht wurde. Bezeichnend für die damaligen Zustände, dass Becker nach seinem Traumdebüt mit zwei Toren nie mehr eingeladen wurde.

Arne Friedrich ist Rekordspieler

Wer ist denn nun der Rekordspieler der Gründervereine? Das Ergebnis mag manchen überraschen. Arne Friedrich, der solide Verteidiger der Nuller-Jahre, kam als einer von 28 Nationalspielern von Hertha BSC von 2002 bis 2010 zu 79 Einsätzen (später drei für Wolfsburg). Er nahm an zwei WM-Endrunden und zwei EM-Endrunden teil, darf sich Vize-Europameister (2008) nennen und erzielte zur allgemeinem Verblüffung und Freude sein einziges Tor im Viertelfinale 2010 gegen das von Diego Maradona trainierte Argentinien (4:0). Er hält noch einen Rekord: als Nationalspieler mit der geringsten Bundesligaerfahrung. Rudi Völler nominierte ihn im August 2002 nach nur drei Einsätzen.

Dann folgt schon einer der populärsten deutschen Fußballer aller Zeiten, der zweite Ehrenspielführer Uwe Seeler. Der kopfballstarke und drahtige Stürmer spielte Zeit seines Lebens, von einem PR-Gag nach der Profikarriere abgesehen (ein Spiel für Cork City), nur für den HSV, der aus zwei Gründervereinen von 1900 hervorging. Seeler kam auf 72 Länderspiele und 43 Tore, beides waren zwischenzeitlich DFB-Rekorde. Er nahm an vier WM-Endrunden teil (1958 bis 1970), das übertraf nur Lothar Matthäus.

Tragisch, dass er mit Deutschland keine Titel gewann. Besonders nah dran war er bei der WM 1966, als ein Tor, das keines war, das Finale gegen und in England entschied. Dafür war er der wohl populärste Spieler, sein Titel war "Uns Uwe".

Auf Rang drei steht ein weiterer Hamburger, wenn er auch eigentlich aus der Pfalz stammt. Manfred Kaltz, berühmt für Bananenflanken von rechts, stand 69-mal für Deutschland auf dem Platz. 1980 wurde er unter Jupp Derwall Europameister, 1982 Vize-Weltmeister. Auch an der EM 1976 und der WM 1978 nahm er, noch unter Helmut Schön, teil.

Höttges kommt auf 66 DFB-Spiele

Ein Verteidiger, freilich ganz anderer Couleur, war der eisenharte Horst-Dieter Höttges (Werder Bremen), der von 1965 bis 1974 66 Länderspiele bestritt und in der großen Zeit des deutschen Fußballs, als man nicht nur von seinen kämpferischen Tugenden schwärmte, dabei war. Höttges stand im WM-Finale 1966, war in Mexiko dabei, verpasste aber ausgerechnet das Jahrhundertspiel gegen Italien angeschlagen. Entschädigt wurde er mit dem EM-Gewinn 1972 als Stammspieler. 1974 trug er mit einem Kurzeinsatz, nicht allzu wesentlich, zum WM-Triumph im eigenen Land bei. Für Werder spielte er von 1964 bis 1978 und hielt Wort: "So lange ich spiele, steigen wir nicht ab."

Der Letzte, der die Marke von 50 Spielen für einen Gründerverein nahm, war Torsten Frings. Auch er war ein Defensivspieler mit Werder-Vergangenheit. Er fing unter Rudi Völler hinten rechts an und hörte unter Jogi Löw im defensiven Mittelfeld auf. Er spielte auch für Borussia Dortmund und die Bayern und insgesamt 79-mal für Deutschland. 2002 stand er im WM-Finale, bei der WM 2006 fehlte er gesperrt im Halbfinale gegen Italien – gerade, als er in der Form seines Lebens war. 2008 stand er auch im EM-Finale. Titel holte der "Lutscher" leider nur mit seinen Vereinen.

Da Bayern München und alle westdeutschen Vereine in Leipzig nicht vertreten waren beziehungsweise noch nicht existierten, fehlen in dieser Aufzählung zwangsläufig Spieler des Rekordmeisters, aus Mönchengladbach, Dortmund, Schalke oder Köln, die heute die Rekordlisten des DFB prägen. 

Seeler ist Nummer eins-Torschütze

Die meisten Tore für einen Gründerverein erzielte der schon erwähnte Seeler. Das berühmteste: das Hinterkopf-Tor bei der WM 1970 im Viertelfinale gegen England zum 2:2-Ausgleich. Platz zwei geht an Rudi Völler. Der spätere Teamchef kam als Stürmer von Werder Bremen von 1982 bis 1987 auf 24 Länderspieltore, stockte als "Römer" und Marseille-Profi noch auf 43 auf. Als Bremer spielte er die EM 1984 (zwei Tore) und die WM 1986 (drei Tore), wo er im Finale gegen Argentinien (2:3) für den Ausgleich sorgte. Revanche nahm er 1990 in Rom, als er den Elfmeter von Andy Brehme herausholte, aber da war er schon ein römischer Legionär.

Platz drei geht an "König Richard". Richard Hofmann vom Dresdner SC, der bis 1942 15 Nationalspieler hervorbrachte. Hofmann gehörte zu den gefährlichsten und besten Stürmern der DFB-Historie und kam in 25 Länderspielen auf 24 Tore, davon 21 für Gründerklub DSC. Wegen verbotener Zigarettenwerbung brachte er sich selbst um eine längere Karriere, in der damaligen Zeit duldete der Verband so etwas nicht.

Und wer waren die größten Titelsammler? Der Bremer Höttges und Eintracht Frankfurts Jürgen Grabowski (beide Europameister 1972 und Weltmeister 1974) stehen mit zwei Titeln ganz vorne. An Grabowskis Seite wurde auch sein Teamkamerad Bernd Hölzenbein Weltmeister, 1976 traf der Frankfurter zudem im letztlich verlorenen EM-Finale. Uwe Bein vertrat die Eintracht 1990 beim WM-Triumph in Italien.

Vier Bremer im Europameister-Kader 1996

Der HSV ist stolz auf seine Weltmeister Jupp Posipal und Fritz Laband (1954) sowie seine Europameister Manfred Kaltz, Felix MagathHorst Hrubesch und Caspar Memering (1980). Werder Bremen stellte mit Karl-Heinz Riedle und Günter Hermann zwei Spieler für den Weltmeister-Kader 1990 ab und hatte mit Oliver ReckMarco BodeDieter Eilts und Mario Basler gar vier Spieler im Europameisterkader von 1996 - als Thomas Häßler den Karlsruher SC und Andy Köpke die Frankfurter Eintracht vertrat.   

Keinen Titel, aber einen Rekord, den ihm keiner mehr nehmen kann, holte sich am 18. Juni 1911 Otto Dumke von Viktoria 1889 Berlin. Beim 4:2 gegen Schweden erzielte er als erster Debütant der DFB-Geschichte drei Tore. Deshalb durfte er noch einmal wiederkommen. Man kann die Zeiten wirklich schlecht vergleichen…

125 Jahre DFB  125 Jahre Fußballliebe

In Leipzig, genauer gesagt im "Restaurant zum Mariengarten", wurde am 28. Januar 1900 der Deutsche Fußball-Bund gegründet. Seinerzeit gehörten dem Verband überschaubare 90 Vereine an, aber das änderte sich rasch. Heute gibt es mehr als 24.000 Klubs mit mehr als 7,7 Millionen Mitgliedern. Dazwischen hat der DFB eine bewegte und bewegende Geschichte hingelegt, mit vielen Titeln, Tränen und Triumphen. 125 Jahre DFB bedeuten auch 125 Jahre Fußballliebe - für uns Anlass genug, auf dfb.de/fussballliebe zu sagen: "Ti amo, Fußball!" Auf dieser DFB.de-Subsite wollen wir auch mit den Fans und Fußballinteressierten in den Austausch kommen. Hier sammeln wir eure Themen  und machen sie zu unseren Themen.

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Autor: um