DFB-Pokal

Drittligisten im DFB-Pokalhalbfinale

01.04.2025
Ließ die Arminia bereits 2015 vom Pokal träumen: Norbert Meier Foto: IMAGO

Arminia Bielefeld ist der neunte Drittligist, der im DFB-Pokalhalbfinale steht. Wobei es der Arminia als erstem Verein gelang, das Kunststück zu wiederholen. Allerdings stand auch der 1. FC Saarbrücken im Vorjahr zum zweiten Mal im Halbfinale und er war bei der Premiere 2020 sogar der bis heute einzige Viertligist unter den letzten Vier. Arminia warf auf dem Weg nach Berlin drei Bundesligisten raus, was drei Vorgänger auch schafften. Folgt heute Abend (ab 20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) gegen Meister Bayer Leverkusen der vierte Streich, wäre das Rekord. Bielefeld wäre dann auch der vierte Drittligist im Pokalfinale.

In der Saison 1989/1990 setzten die Offenbacher Kickers einen Meilenstein der Pokalgeschichte. Sechs Jahre nach ihrem Bundesligaabstieg waren sie in der Oberliga Hessen angelangt, bewiesen aber im Pokal, wozu sie noch fähig waren. Sie warfen die Bundesligisten Bayer Uerdingen und Borussia Mönchengladbach raus und erreichten als erster Drittligist überhaupt das Halbfinale, in dem sie am späteren Pokalsieger 1. FC Kaiserslautern scheiterten (0:1).

Schön war es trotzdem: Der Bieberer Berg war voll bis unters Dach und die ARD übertrug live. Ein Tor von Tom Dooley ließ den Traum von Berlin platzen, aber die 300.000 DM Einnahmen verhinderten die Insolvenz.

Hertha-"Bubis" machen es den Profis vor

Drei Jahre später wurde die unglaubliche Geschichte der Hertha-Bubis geschrieben. Seit Jahrzehnten versucht der "Big-City-Klub", das Finale im eigenen Wohnzimmer zu erreichen. Doch was den Profis nie gelang, machte ihnen der eigene Nachwuchs vor.

Die zweite Mannschaft spielte in der Verbandsliga Nordost vor 200 Zuschauern, der Trainer Jochem Ziegert arbeitete auf dem Finanzamt und war verliebt in sein Team: "Alles intelligente Jungs, da ist keiner darunter, der wegen dem Fußball seine Lehre abgebrochen hat. Die wissen alle, was sie wollen."

Es war die pure Lust auf Fußball und die vage Aussicht auf eine große Karriere. Einer machte sie: Carsten Ramelow sahen wir neun Jahre später im WM-Finale wieder. Nachdem sie im Viertelfinale erstmals einen Bundesligisten rauswarfen (2:1 gegen 1. FC Nürnberg), durften die Bubis gegen Zweitligist Chemnitz ins Olympiastadion. 56.540 Zuschauer sahen das nächste Fußballwunder der Elf aus Studenten, Schülern und Feierabendkickern. Nach dem 2:1 stand im 51. Finale erstmals ein Drittligist – eine größere Sensation hatte der Pokal nicht zu bieten - mit dem auch Bayer Leverkusen im Finale viel Mühe hatte (1:0). Bayer bekam den Pokal, die Bubis den Beifall.

Cottbuser mit der Saison ihres Lebens

Dann war da noch Energie Cottbus. Die Lausitzer spielten 1996/1997 die Saison ihres Lebens, blieben in 53 Pflichtspielen ungeschlagen, wurden Meister in der Regionalliga Nordost und stiegen auf. Nach den Zweitligisten Stuttgarter Kickers und VfL Wolfsburg warf das Team von Ex-DDR-Auswahltrainer Eduard Geyer jeweils im Elfmeterschießen die Bundesligisten MSV Duisburg (5:4) und FC St. Pauli (5:4) raus.

Im sensationellen Halbfinale gegen den Karlsruher SC (3:0) machten sie es im Schneeregen weniger spannend. Mancher erinnert sich noch an die rührende Geschichte fernab der Statistiken, geschrieben von Energies Willi Kronhardt – mit einem Edding: "Jule" stand auf seinem Unterhemd, das er nach seinem 1:0 einem Millionen-Publikum präsentierte. Das Jule-T-Shirt fertigte der verliebte Kicker erst in der Halbzeit an. 

In Cottbus wurde die private Grußbotschaft im Fußball erfunden und alle Boulevardmedien forschten nach, wer eigentlich Jule ist. Beim Finale war sie dabei, aber nicht als Glücksbringerin. Der VfB Stuttgart war zu mächtig für die Lausitzer, die sich nach der 0:2-Niederlage nicht schämen mussten.

"Europapokalsieger-Schreck" Trier

Im Herbst 1997 schaffte der Südwest-Regionalligist Eintracht Trier etwas Unglaubliches: Binnen 35 Tagen schlug er zwei amtierende Europapokalsieger. In der 2. Runde empfing die Eintracht den UEFA-Cup-Sieger Schalke 04 und gewann durch ein Tor von Rudi Thömmes 1:0 – und ein Schalker trat die Kabinentür ein.

Im Oktober kreuzte Champions League-Gewinner Borussia Dortmund im Mosel-Stadion auf und wieder schlug Thömmes zu. Wieder erzielte er das 1:0, diesmal endete das Spiel 2:1. Im Viertelfinale räumten sie Zweitligist Waldhof Mannheim aus dem Weg (1:0). Nach diesen Triumphen gab es Menschen, die der Eintracht im Halbfinale gegen den dritten Gegner aus dem Ruhrpott, dem MSV Duisburg, die Favoritenrolle zuschusterten. Aber der hatte Friedhelm Funkel auf der Bank und dieser Trainer neigte nie zum Leichtsinn. Die Helden von der Mosel scheiterten, wenn auch erst im endlosen Elfmeterschießen. Eintracht-Keeper Daniel Ischdonat scheiterte mit dem 22. Elfmeter an Kollege Thomas Gill.

Union Berlin letzter Drittligist im Finale

2001 kam zum dritten und bis dato letzten Mal ein Drittligist ins Finale. Wie Energie Cottbus schaffte Union Berlin den Spagat zwischen Pokal- und Liga-Aufgaben und stieg nebenbei auf. Für seine sechs Pokalspiele musste Union die Hauptstadt nie verlassen. Bis zum Finale hatten die Berliner Heimrecht in der Alten Försterei, dann erst ging es ins Olympiastadion, wo sie Vizemeister Schalke einen großen Kampf lieferten und 0:2 verloren.

Auf dem Weg dorthin schaltete die Mannschaft von Trainer Georgi Wassilev die Zweitligisten RW Oberhausen (2:0), SpVgg Greuther Fürth (1:0) und SSV Ulm (4:2) aus. Im Viertelfinale kreuzte der einzige Bundesligist VfL Bochum ihren Weg (1:0). Das Halbfinale, schon im Februar 2001 ausgetragen, gegen den designierten Aufsteiger Borussia Mönchengladbach entschied Union im Elfmeterschießen (4:2), was extra geübt wurde. Torwart Sven Beuckert hielt die Schüsse von Arie van Lent und Borussias späterem Sportdirektor Max Eberl.

Magische Nächte am Millerntor

Der nächste Aufsehen erregende Pokalritt ereignete sich 2005/2006. Mit dem "Weltpokal-Sieger-Besieger" von 2002 hatte der FC St. Pauli damals nur noch wenig zu tun. Seit drei Jahren kämpften sie um die Rückkehr in die 2. Liga. Dass es wieder nicht klappte, lag auch am außerplanmäßigen Siegeszug im DFB-Pokal.

Dort feierte man am Millerntor vier magische Nächte. Nach Siegen über die Zweitligisten Wacker Burghausen (3:2 n.V.) und VfL Bochum (4:0) wurden zwei Bundesligisten gerupft. Kurz vor Weihnachten drehte St. Pauli gegen die Hertha ein zweimal verloren geglaubtes Spiel in der Verlängerung noch 4:3. Im Januar gab es ein sensationelles 3:1 gegen das Bundesliga-Topteam Werder Bremen und erst die Besten jener Tage konnten den Lauf der Kiez-Kicker stoppen.

Im Halbfinale gegen die Bayern (0:3) platzte der Traum von Berlin - bis fünf Minuten vor Schluss hielten sie die Partie offen, ehe ein Doppelschlag von Claudio Pizarro für Klarheit sorgte.

Arminia und der Pokal-Lauf 2014/2015

Dann kamen die Vorgänger des Halbfinalisten von heute: Arminia Bielefeld erlegte als zweiter Drittligist 2014/2015 drei Bundesligisten und stieg wieder in die 2. Liga auf. Ihre Pokalopfer waren nach dem Zweitligisten SV Sandhausen (4:1), Hertha BSC (4:2 im Elfmeterschießen), Werder Bremen (3:1) und Borussia Mönchengladbach (5:4 i. E.). Im Halbfinale waren nur noch die Top-Klubs der Liga: Bayern, Dortmund und der VfL Wolfsburg. Mit dem VfL bekamen sie das vermeintlich leichteste Los, doch auch das erwies sich als einige Nummern zu groß. Vor vollem Haus (26.137 Zuschauer) stand Arminia auf verlorenem Posten, der spätere Pokalsieger machte den Klassenunterschied frühzeitig deutlich – Endstand 0:4. Trainer Norbert Meier nahm es gelassen: "Es ist schon eine kleine Sensation, dass wir überhaupt so weit gekommen sind. Das Spiel war für uns ein Bonus."

Nach dem Husarenritt als Viertligist, den im Halbfinale 2020 erst Bayer Leverkusen (0:3) beendete, klopfte der 1. FC Saarbrücken vier Jahre später erneut an das Tor zum Finale an. 2024 gingen sie für manche schon fast als Favorit ins Spiel, hatten sie doch zunächst (und vor allem) die Bayern (2:1), danach Eintracht Frankfurt (2:0) und schließlich in einer Regenschlacht Borussia Mönchengladbach (2:1) rausgeworfen. Auch mit Hilfe des Wetters: Der Saarbrücker Rasen war aufgrund von Dauerregen kaum bespielbar, das Gladbach-Spiel musste im ersten Anlauf noch abgesagt werden. 

Am 2. April kam dann der abstiegsbedrohte Zweitligist 1. FC Kaiserslautern zum FCS und ausgerechnet in dieser Partie waren die Blau-Schwarzen am chancenlosesten. Auch Petrus half diesmal nicht. Ein Torwartfehler stellte die Weichen, am Ende stand ein 0:2 und wieder hatte Trainer-Fuchs Friedhelm Funkel, nun beim FCK, den Pokaltraum eines Underdogs beendet. Das kann heute zumindest nicht passieren…

125 Jahre DFB - 125 Jahre Fußballliebe

In Leipzig, genauer gesagt im "Restaurant zum Mariengarten", wurde am 28. Januar 1900 der Deutsche Fußball-Bund gegründet. Seinerzeit gehörten dem Verband überschaubare 90 Vereine an, aber das änderte sich rasch. Heute gibt es mehr als 24.000 Klubs mit mehr als 7,7 Millionen Mitgliedern. Dazwischen hat der DFB eine bewegte und bewegende Geschichte hingelegt, mit vielen Titeln, Tränen und Triumphen. 125 Jahre DFB bedeuten auch 125 Jahre Fußballliebe - für uns Anlass genug, auf dfb.de/fussballliebe zu sagen: "Ti amo, Fußball!" Auf dieser DFB.de-Subsite wollen wir auch mit den Fans und Fußballinteressierten in den Austausch kommen. Hier sammeln wir eure Themen - und machen sie zu unseren Themen.

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Autor: um