Auf den Spuren von Julius Hirsch

STUTTGART KARLSRUHE TRIER PADERBORN CHEMNITZ DORTMUND DÜSSELDORF ESSEN BIELEFELD HANNOVER DRESDEN BERLIN BRESLAU NEISSE KATTOWITZ AUSCHWITZ Unter den Menschen, die am 2. März 1943 aus Bie- lefeld deportiert worden sind, befanden sich drei wesentliche Gruppen: Zunächst wurden Jüdinnen und Juden aus dem ehemaligen Umschulungsla- ger „Am Grünen Weg“ in Paderborn zur Deportation bereits am 1. März 1943 in die Stadt gebracht. Dane- ben gab es eine große Gruppe von jungen Menschen, die in Bielefeld ebenfalls in einem ursprünglich als Hachschara-Lager (siehe Text zu Paderborn) einge- richteten Ort Zwangsarbeit hatten leisten müssen, sowie weitere Menschen aus verschiedenen Dörfern und Städten aus dem Einflusskreis der Bielefelder Gestapoaußendienststelle, dem ehemaligen Regie- rungsbezirk Minden und den Ländern Schaumburg und Schaumburg-Lippe. Das Bielefelder Hachschara-Lager wurde Anfang September 1939 zunächst in einem Privathaus in der Koblenzer Straße 4 eingerichtet und im März 1940 in die Schloßhofstraße 73a verlegt. Auf diesem alten Hofgelände hatte sich seit den 1880er Jahren ein Ausflugslokal befunden, in dessen Räumen nun improvisiert etwa 100 Menschen untergebracht wur- den. Neben der harten körperlichen Arbeit für lokale Unternehmen, die Stadt oder Behörden, die häufig bereits den Charakter von Zwangsarbeit trug, versuch- ten viele der jungen Menschen, ihre Freizeit so ange- nehm wie möglich zu gestalten – hier spielte auch Sport eine wichtige Rolle, wie ein erhaltener Report über die Tischtennisduelle zwischen dem Bielefelder und Paderborner Lager zeigt: „Mit Spannung wurde in Bielefeld sowie in Paderborn der zwölfte Tischtennis- kampf erwartet. Hier wurden Wetten abgeschlossen, ob man die Siegesserie fortsetzen würde, während dort die Hoffnung nicht aufgegeben wurde, endlich wieder einmal an die alte Tradition anzuknüpfen und die Reihe der Niederlagen zum Stillstand zu bringen, was man um so leichter erhoffte, da man in stärks- ter Besetzung antreten konnte. Aber die Bielefelder waren zur rechten Zeit wieder da; der Sieg 6:3 und die Torte blieben in Bielefeld.“ Die Menschen im Lager Schloßhofstraße erfuhren immer wieder von bevorstehenden oder bereits erfolgten Deportationen, manche verließen gar das Lager, um beispielsweise Familienmitglieder zu begleiten. Am 26. Februar 1943 wurde ihnen selbst angekündigt, dass sie sich zwei Tage später im Haus der Gesellschaft „Eintracht“ am Klosterplatz einfinden sollten. Hierhin wurde auch die Paderborner Gruppe DEPORTATION NACH AUSCHWITZ BIELEFELD | 2. MÄRZ 1943 BIELEFELD

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