Fasten trotz WM? Glaubensfrage zu Beginn des Ramadan

Es ist ein schwieriger Spagat zwischen Glaube und Leistungssport. Am Sonnabend beginnt der muslimische Fastenmonat Ramadan. Einen Monat lang fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, verzichten auf den Verzehr von Speisen und Getränken jeder Art. Wie ist das mit Leistungssport vereinbar?

Mesut Özil stellt sich die Glaubensfrage in Brasilien nicht. "Ich kann nicht mitmachen", sagte der Fußball-Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, er müsse während des muslimischen Fastenmonats schließlich "arbeiten". Beim deutschen Achtelfinalgegner Algerien könnte der Speiseplan am Montag in Porto Alegre hingegen sehr wohl sehr enthaltsam sein.

"Ich entscheide nach meiner körperlichen Verfassung, aber ich glaube, ich werde es machen", sagte Kapitän Madjid Bougherra. Das Fasten sei eher "eine mentale Sache", das Klima "geht schon, es ist gut". In der K.o.-Runde am Montag gegen die DFB-Elf (ab 22 Uhr MESZ, live im ZDF) erwartet die Nordafrikaner in der Tat keine Hitzeschlacht, im Süden Brasiliens herrschen seit Tagen gemäßigte Temperaturen - ein Risiko bleibt dennoch.

Angesichts des Flüssigkeitsverlustes von "bis zu sechs Litern" müsse mit einer "großen physiologischen Leistungseinbuße" gerechnet werden, sagte Markus de Marées, Leiter des Bereichs Leistungsphysiologie und Höhenmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln, im Interview auf Training & Wissen online, "wenn die Spieler während des Tages kein Wasser und keine Nahrung zu sich nehmen, so ist dies nur im Rahmen von geringer körperlicher Belastung und in gemäßigten klimatischen Bedingungen ohne gravierende gesundheitliche und Leistungseinbußen durchzuführen."

Zusammen mit Özil spielen in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Sami Khedira und Shkodran Mustafi noch zwei weitere muslimische Profis. Auch zahlreiche Amateurfußballer in Deutschland befolgen die Heilige Schrift des Islam und müssen sich für oder gegen das strenge Fasten von Sonnenauf- bis Untergang entscheiden. Laut gängiger Interpretation der im Koran verankerten religiösen Pflicht dürfen "Reisende" das Fasten aber aufschieben.

Sonderregelung für Profifußballer in Deutschland

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland, bestätigt im Interview auf DFB.de eine Sonderregelung für Profifußballer in Deutschland. "Auf den Punkt gebracht sagen wir: Profifußballer sind Arbeitnehmer, und zwar in einem Beruf, der körperlich höchste Anforderungen stellt", erklärt Mazyek, "Profifußballer können die Fastentage später im Jahr nachholen. Insbesondere geht es dabei um das Trinken, also die Wasserzufuhr während oder nach einer harten Trainingseinheit. Das gilt auch für andere körperlich schwere Berufe, etwa für den Stahlarbeiter am Hochofen."

Es ist eine heikle Aufgabe für Trainer, den richtigen Umgang mit muslimischen Spielern während des Ramadans zu finden – gerade wenn während der Weltmeisterschaft oder der Saisonvorbereitung die Belastung besonders hoch ist. "Sobald man von Spielern weiß, die sich an den Ramadan halten, sollte man ganz offen damit umgehen", erklärt Fußball-Lehrer Josef Zinnbauer auf Training & Wissen online. Er versucht, Trainingsintensitäten und Belastungen gezielt zu steuern und anzupassen. "Der beste Ratgeber ist aber immer noch der Spieler selbst. Er kann am besten beurteilen, wie viel Energie er noch hat und wie ihm das Training bekommt."

Einen Vorteil haben die Profis in Brasilien immerhin. Während in Deutschland aktuell zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang etwa 16 Stunden liegen, beträgt die Zeit des täglichen Verzichts in Brasilien etwa fünf Stunden weniger.

[sid/na]

[bild1]

Es ist ein schwieriger Spagat zwischen Glaube und Leistungssport. Am Sonnabend beginnt der muslimische Fastenmonat Ramadan. Einen Monat lang fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, verzichten auf den Verzehr von Speisen und Getränken jeder Art. Wie ist das mit Leistungssport vereinbar?

Mesut Özil stellt sich die Glaubensfrage in Brasilien nicht. "Ich kann nicht mitmachen", sagte der Fußball-Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, er müsse während des muslimischen Fastenmonats schließlich "arbeiten". Beim deutschen Achtelfinalgegner Algerien könnte der Speiseplan am Montag in Porto Alegre hingegen sehr wohl sehr enthaltsam sein.

"Ich entscheide nach meiner körperlichen Verfassung, aber ich glaube, ich werde es machen", sagte Kapitän Madjid Bougherra. Das Fasten sei eher "eine mentale Sache", das Klima "geht schon, es ist gut". In der K.o.-Runde am Montag gegen die DFB-Elf (ab 22 Uhr MESZ, live im ZDF) erwartet die Nordafrikaner in der Tat keine Hitzeschlacht, im Süden Brasiliens herrschen seit Tagen gemäßigte Temperaturen - ein Risiko bleibt dennoch.

Angesichts des Flüssigkeitsverlustes von "bis zu sechs Litern" müsse mit einer "großen physiologischen Leistungseinbuße" gerechnet werden, sagte Markus de Marées, Leiter des Bereichs Leistungsphysiologie und Höhenmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln, im Interview auf Training & Wissen online, "wenn die Spieler während des Tages kein Wasser und keine Nahrung zu sich nehmen, so ist dies nur im Rahmen von geringer körperlicher Belastung und in gemäßigten klimatischen Bedingungen ohne gravierende gesundheitliche und Leistungseinbußen durchzuführen."

Zusammen mit Özil spielen in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Sami Khedira und Shkodran Mustafi noch zwei weitere muslimische Profis. Auch zahlreiche Amateurfußballer in Deutschland befolgen die Heilige Schrift des Islam und müssen sich für oder gegen das strenge Fasten von Sonnenauf- bis Untergang entscheiden. Laut gängiger Interpretation der im Koran verankerten religiösen Pflicht dürfen "Reisende" das Fasten aber aufschieben.

Sonderregelung für Profifußballer in Deutschland

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland, bestätigt im Interview auf DFB.de eine Sonderregelung für Profifußballer in Deutschland. "Auf den Punkt gebracht sagen wir: Profifußballer sind Arbeitnehmer, und zwar in einem Beruf, der körperlich höchste Anforderungen stellt", erklärt Mazyek, "Profifußballer können die Fastentage später im Jahr nachholen. Insbesondere geht es dabei um das Trinken, also die Wasserzufuhr während oder nach einer harten Trainingseinheit. Das gilt auch für andere körperlich schwere Berufe, etwa für den Stahlarbeiter am Hochofen."

Es ist eine heikle Aufgabe für Trainer, den richtigen Umgang mit muslimischen Spielern während des Ramadans zu finden – gerade wenn während der Weltmeisterschaft oder der Saisonvorbereitung die Belastung besonders hoch ist. "Sobald man von Spielern weiß, die sich an den Ramadan halten, sollte man ganz offen damit umgehen", erklärt Fußball-Lehrer Josef Zinnbauer auf Training & Wissen online. Er versucht, Trainingsintensitäten und Belastungen gezielt zu steuern und anzupassen. "Der beste Ratgeber ist aber immer noch der Spieler selbst. Er kann am besten beurteilen, wie viel Energie er noch hat und wie ihm das Training bekommt."

Einen Vorteil haben die Profis in Brasilien immerhin. Während in Deutschland aktuell zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang etwa 16 Stunden liegen, beträgt die Zeit des täglichen Verzichts in Brasilien etwa fünf Stunden weniger.